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27. Januar - Der Tag der Erinnerung

27. Januar -Der Tag der Erinnerung wird gerade zu einem Kampftag gegen Rechts. Stichwort: Nie wieder. Nie wieder kann nur gelingen, wenn sich alle demokratischen Kräfte einig sind. Wie in den Rufen „Ganz Berlin hasst die AFD“ oder „Deutschland hasst die AFD“. Parteiübergreifend. Das hat einen deutlichen Bezug zum „Nie wieder!“ Wenn auch mehr im Positiven als im Negativen. Denn mit Wilhelm II. Und der Versicherung, er kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche, wurde die Tür geöffnet, dass es ein paar Jahrzehnte später tatsächlich keinen Parteienpluralismus mehr gab.
Das alles ist natürlich nicht unsrer Problem. Wir stehen vor der Aufgabe, das Wiedererstarken des NAZI Ungeistes - so heißt es immer wieder - zu verhindern. Wenn auch nicht mit allen Mitteln, so doch entschlossen mit allen demokratischen Kräften: „Ganz Berlin hasst die AFD.“
Irgendetwas ist gerade dabei, die politische Seele der Deutschen zu formen, ihr eine Form zu geben, sie zu formatieren. Ich wüßte nicht zu sagen, wer das ist. Vielleicht ist es die Deutschre Seele selber, unzufrieden mit ihrem eigenen Zustand. Fast 80 Jahre haben wir rückwärtsgewandt uns um unsere Vergangenheit bemüht, ohne sie recht zu begreifen. Wir haben alle unsere Schand- und Gräueltaten zutiefst bedauert und bereut. Aber sind wir auch bis zu der Einsicht gekommen, warum, wir das alles getan haben. Noch dazu auf eine Art, wie es einem harmlosen Beamten zu kommt, oder einem ordentlichen Arbeiter: Wir gingen an die Arbeit wie in einen Gottesdienst. Befreit kamen wir wieder heraus. Dank unserer korrekten Art zu Arbeiten konnten wir fast ganz Europa erobern und die unfassbare Zahl von sechs Millionen Juden ermorden - und doch anständig geblieben zu sein (nach Himmler). Haben wir wirklich verstanden, was damals in und mit unserer Seele geschah? Wissen wir, wenn wir sagen „Nie wieder!“ Gegen was sich die Ruf wendet, gegen was in uns er sich richtet?
Meine Antwort, auf was sich das ‚Nie wieder‘ bezieht, wäre versuchsweise diese: Dass wir nie wieder zulassen, dass der Andere, der, der mir gegenübersteht, keinen Platz in mir selber findet. Dass mein Feind mir nur gegenüber steht und nicht auch in mir selbst.
Nicht nur mein Feind, sondern überhaupt der Andere. Also auch der Rechte, so dass ich ihn nicht hassen kann.
Giorno della memoria. Vor hundert Jahren hat das Deutsche Volk den Juden, den es in sich trug, aus sich verbannt. Die so entstandene Leere hat es mit dem Urwort Heil zu füllen versucht. Es hat versucht, sich durch seine tadellose Arbeit des Mordens frei zu machen. Arbeit macht frei galt wohl in erster Linie uns selbst. Denn, wie es damals hieß, niemand kann die Arbeit, Europa von den Juden zu befreien, so verrichten, wie wir Deutsche das können. Auch wir wollten damals ein erwähltes Volk sein. Auch hier könnte der Ausruf laut werden. Doch: Nie wieder ist ein albern leicht dahin gesagter Spruch. Wir müssten dazu tief in uns hinabsteigen.
Endlich einmal.

Über teofilo.de

Theophil war der Vorname meines Vaters. Mein Vater wurde ein paar Monate vor meiner Geburt aus Russland als vermisst gemeldet. Durch meinen langen Aufenthalt in Italien hat sich der Name Theophil um ein erstes "h" und sein "ph", das zu "f" geronnen ist, verschlankt. Ich selber nicht.

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