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Tebartz von Elts und die Formel 1

Bischof Tebartz van Elst, Der Limburger Bischofssitz und die Formel 1 –  ein Rätsel unserer Tage
Ein Gespräch mit den sehr aufgeregten Lesern
Traurige Runde gestern Abend  bei Anne Will. Alle waren fürs Sparen. Sie sparten sich noch das Lachen vom Munde ab. Alle waren einer Meinung:  Klaus-Peter Tebartz van Elst – das geht gar nicht. Ingrid Matthäus-Meier, die sich als Atheistin vorstellen ließ, redete den ganzen Abend von Geld. Unter einer Atheistin habe ich mir auch etwas anderes vorgestellt. Dann der Weihbischof von Hamburg -  Leihbischof sagte spöttisch mein Freund Hartmut R. immer, wenn er mich sah – ‚protzte’ mit seiner Mietwohnung in der Hansestadt. Er hatte eben Glück gehabt, dass die katholische Kirche in Hamburg früher nicht mächtig war. Sonst säße er jetzt auch in einem Barockpalast wie alle andern und müsste ganz still sein.

Der christliche Gott ist nur ein Gott der Armen. Das war die traurige Botschaft. Zu den Reichen kommt er nicht. Die brauchen bekanntlich keinen Gott. Mit Hilfe des bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland wird sich allerdings  auch das Problem Armut erledigt haben. Denn wo keine Armen mehr sind, da brauchts auch keinen Gott. Natürlich sind  dann auch keine Bischöfe mehr nötig, die in teueren Badewannen für 15.000 Euro rumliegen wollen. Wie so überhaupt eine Badewanne. Sollte ein Bischof nicht überhaupt nur im Stehen duschen?

Wie baden eigentlich die Teilnehmer der Anne-Will-Runde? Die hatten alle so traurige Rabattmarkensammlergesichter, dass ich auf so eine Frage gar nicht gekommen bin. Es sah nach Sitzbadewanne aus.
Erst als ich zu Markus Lanz überwechselte, gab es Licht am Horizont. Der Bischof von Limburg war zwar auch hier das Thema. Aber Lanz hatte die Runde durch einen der beiden Retter von Borussia Dortmund aufgehellt. Bei der Rettung ging es damals um eine dreifach höhere Summe als in Limburg, aber mit wie viel Spaß wurde das Geld hingezählt und wieder abgeräumt und neu verschoben. Erhebender, emotionaler kann man über Geld nicht reden, als es gestern Abend bei Lanz geschah. Man sah strahlende Gesichter wie zu Weihnachten, Freudentränen – wer hätte da auch nur einen Augenblick an Geldzählen gedacht!

Ich dachte noch: Warum hat Anne Will das nicht auch gemacht. Zum Beispiel einen Vertreter der Formel 1 eingeladen. Geschätzte Kosten pro Jahr für den Zirkus 3 Milliarden Euro. Alles nur zum Zwecke von Schall und Rauch. Bernie Ecclestone wäre gut gewesen, hat ihm die Staatsanwaltschaft München doch gerade eine Anklage zugestellt, wegen Bestechung in Höhe von 44 Millionen.


Aber sie hat niemanden eingeladen, der einen Lobgesang auf das Lenkrad eines Rennwagens gesungen hätte, das 40.000 Euro kostet, der Rennwagen eine Millionen oder zwei Millionen, was weiß ich. Aber dass man darin lange nicht so gut liegt, wie in einer Badewanne, das habe ich schon gesehen. Dieses zweite Thema wäre übrigens interessant gewesen. Der Bischof von Limburg hat nämlich ein nicht unbedeutendes Buch über Mobilität geschrieben. Das sagt einem aber niemand in solch einer Sendung. Man hält ihn nur für krank. Weil er die Baukosten in Tranchen von 5 Millionen unterteilt hat, obgleich das klug war, denn das gehört mit zu dem Grundwissen der Geschäftsführung, auch zur Parteienfinanzierung.

Bisher nur einmal konnte ich auch lesen, dass der Bischof von Limburg mit Patrick Bahners aneinander geraten ist. Patrick Bahners schreibt bei der FAZ und  hat seine Beziehung zum Islam unter dem Titel „Der Panikmacher“ ausgedrückt, womit er die Islamkritiker bezeichnete. Als der Bischof von Limburg der aussage unseres damaligen Bundespräsidenten Wulff widersprach, der Islam gehöre auch zu Deutschland wie Christentum und Judentum, sah Bahners im Bischof ebenfalls einen Panikmacher. Seitdem hat der Bischof bei der FAZ keine Freunde mehr.

Höchstens noch Dieter Bartetzko, der einen schönen Artikel über den Bau, von dem alle sprechen, geschrieben hat. (FAZ vom 15.10.2013)  Als ich den Artikel gelesen hatte, wollte ich sofort hinfahren. Es scheint ja wirklich fast alles gelungen zu sein. Die Verbindung des Traditionellen mit der Moderne, die Abstimmung der unterschiedlichen Materialien aufeinander, die Veduten und Perspektiven, das Atrium als im Bauhausstil zitierte römische Erinnerung. Die Freude des Autors über dieses wundervolle Ensemble ist unübersehbar. Sein Lob des Architekten  Michael Frielinghaus ist daher uneingeschränkt. Leider darf er seinen Glückwunsch nicht auch an den Bischof von Limburg, als den Bauherrn, weitergeben. Das ist sehr schade. Denn ohne seine Klugheit wäre meines Erachtens aus diesem Bau nie etwas geworden.

Dass die Baukosten schon vor Beginn der Arbeiten auf das 3 bis 4fache des angesetzten Betrages von 5 Millionen liegen würden, war wohl schon damals allen bekannt. Bei den Unwägbarkeiten von Restaurierungen alter Gebäude konnte man leicht noch weitere 5 Millionen drauf legen.
Lieber weltkundiger Leser. Glaubst Du denn wirklich, dass der Bischof von Limburg auch nur den Spatenstich zur Grundsteinlegung hätte ausführen können, wenn er eine Zahl von 20 Millionen genannt hätte. Du siehst doch, was jetzt los ist. Du hast doch selber mit dafür gesorgt. Alle großen Bauvorhaben wären unterblieben, wenn die Öffentlichkeit die Endsumme zu Anfang gewusst hätte. Du hättest dem Bischof von Limburg eine Hundehütte neben seinen Dom gestellt, mein lieber Freund, um dann höchstens noch zu sagen: Na, Geschmack hat der Bischof aber auch nicht.

Denn der heutige, der moderne Mensch, der Mensch mit Zukunft, gibt nur noch Geld aus  für Dinge, die keine Spuren hinterlassen: siehe Formel I, siehe Bundesliga, siehe Kreuzfahrten, abgesehen einmal von Giglio,  siehe den japanischen Kobe-Rinderwahn…siehe, siehe, siehe.

Aber ein Bischof, der etwas unübersehbar Schönes baut, noch dazu an prominenter Stelle, hat von dieser Modernität nichts begriffen. Er muss weg. Sagst Du, mein lieber Leser. Er wird wohl auch wegmüssen, aber nicht so, wie Du denkst. Sondern eher so wie Mose, der sein Volk nicht in das gelobte Land führen durfte. So wird es wohl auch Bischof Tebartz van Elst gehen. Er wird seinen schönen Sitz nicht einnehmen können. Vielleicht ahnte er das schon von Anfang an. Sollte er gehen müssen, so hat er seiner Kirche doch einen wunderbaren Dienst getan. Ich bin sicher, seine Nachfolger werden ihm für diesen Dienst einmal besonders dankbar sein. Dieter Bartetzko wäre es schon heute, darf aber nicht.

Noch eine Schlussbemerkung zur Theologie. Wie kommst Du, lieber Leser, eigentlich dazu, von der Kirche immer nur als der Kirche für die Armen zu sprechen? Warum soll die Kirche nicht auch zu den Nichtarmen sprechen, also zu Dir? Weil Du sie unbedingt auf einem absteigenden Ast sehen willst?

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